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Die erste Abtei wurde auf dem Mont Castillon erbaut, etwa 7 km östlich des heutigen Standorts in Saint-Mihiel. Um das Jahr 709 ließen sich einige Mönche auf diesem Landgut nieder, das dem Grafen Wulfoald gehörte, Verwalter dieses pagus Austrasiens, das aus einigen Gütern und einer Kapelle bestand, die zweifellos dem hl. Michael geweiht war, da Wulfoald und seine Gemahlin Adalsinde den Erzengel sehr verehrten. Doch die Güter des Wulfoald wurden von Pippin dem Jüngeren eingezogen. Das Landgut des Mont Castillon wurde den Mönchen der Abtei von Saint-Denis übertragen. Eine erste, dem hl. Michael geweihte Abtei wurde im Jahre 755 erbaut.

Um 815 verlegte Smaragd von Saint-Mihiel, einer der Vertrauten Karls des Großen, die Abtei an den Zusammenfluss von Marsoupe und Maas. Die klar in Form eines Quadrats erbaute Abtei umfasste einen Kreuzgang und einen Innenhof. Der Name Saint-Mihiel wird erstmalig in einem Text im Jahr 1106 erwähnt, er wurde jedoch zweifellos schon vorher verwendet. Er ist wahrscheinlich auf eine Abwandlung des Wortes sanctis Michaelis zurückzuführen.

Am 24. September 1791 unterteilte der Stadtrat die Stadt in zwei Pfarrbezirke. Der Pfarrbezirk Saint-Michel war entstanden. In dieser Zeit zählte Saint-Mihiel mehr als 6000 Einwohner.

Der romanische Vorhallenturm stammt aus dem 12. Jahrhundert. Bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts wurde der Glockenturm von einem spitzen Dach gekrönt. Die vier Ecken des Dachgesimses sind mit Wasserspeiern in Form von Wölfen verziert. Der 35 Meter hohe Turm und die Mauern werden von Strebepfeilern mit drei Vorsprüngen gestützt. Die Strebepfeiler des Hauptschiffs dienen als Sockel für elegante Obelisken.

Unter der Vorhalle sind verschiedene Statuen von mythologischen oder berühmten Persönlichkeiten aufgestellt. Lange Zeit war die Abteikirche die Grabstätte der Grafen von Bar, von Fürsten, Äbten, Adelsfamilien … 13 Grabsteine mit Epitaphen erinnern noch an einige von ihnen.

Dom Maillet, Abt von Saint-Mihiel, verleiht der Abteikirche gegen Ende des 17. Jahrhunderts ihr heutiges Aussehen.

Im Inneren misst das Bauwerk 70 Meter vom Eingang bis zum Ende der Apsis, die Höhe beträgt 18 Meter. Die acht kannelierten Säulen mit dorischen Kapitellen, die mit Konsolen verziert sind, erheben sich auf Sockeln mit Eckspornen.

Früher war der Chor vom Hauptschiff durch einen Lettner getrennt, von dem ein Teil des mit Figuren verzierten Frieses sich über der Eingangstür der kleinen Sakristei befindet.

Das Hauptschiff wird großzügig erhellt durch zehn große gotische Fenster mit einem Schlussbogen aus Rautenmaßwerk. Die kleinen Fenster der Seitenschiffe sind abwechselnd romanisch und spitzbogenförmig.

Das Orgelgehäuse über dem Haupteingang wird von zwei Karyatiden gestützt. Die seitlichen Orgelpfeifen tragen Herzogskronen. Dieses Orgelgehäuse, das zu den schönsten Frankreichs zählt, ist das Werk von François Molet und wurde von 1679 bis 1681 auf Initiative von Dom Hennezon, dem in Saint-Mihiel geborenen Abt der Abtei (gestorben 1689), angefertigt. Die Orgel, deren erster Orgelbauer Jean Adam war, besitzt 38 Register, 3 Klaviaturen und 1 Pedal.

In der Taufkapelle ist noch ein Teil des Grabes von Warin de Gondrecourt, Rat beim Gericht „Cour des Grands Jours“, erhalten. Dieses im Jahr 1608 ausgeführte Grabmal ist dem Meißel von Jean Richier, dem Enkel von Ligier Richier, zu verdanken. Unterhalb des Rahmens ist das Kind mit den Totenköpfen zu sehen. Es scheint mit demjenigen auf der linken Seite zu sprechen, und lächelt ihn an. Der andere Totenkopf hat den Blick zum Besucher hin gewendet, den er zum Nachdenken einlädt. Getreidehalme zieren mit ihren Blättern und Ähren diesen „einzigartigen Dialog zwischen dem neugeborenen Leben und dem Sterben.“

Die Statue des hl. Michael auf dem Altar verdankt ihre Originalität der Tatsache, dass der Erzengel in der linken Hand eine Waage mit zwei aufgehängten Waagschalen hält, um die Seelen zu wiegen, die vor Gott, ihrem höchsten Richter, erscheinen.

Die Ostwand des Querschiffs ziert eine Darstellung des hl. Michael, der den Drachen niederstreckt. Dieses Werk ist eine Kopie, die 1777 von dem in Sampigny geborenen Nicolas Saunier nach einem von Le Guido (1575-1642) ausgeführten Gemälde angefertigt wurde. Das Originalwerk wird in der Kirche Santa Maria della Concezione in der Via Veneto in Rom aufbewahrt. Die Kopie als Mosaik ist im Petersdom zu sehen.

Mit seiner Tiefe (25 Meter), dem Höhenmaß seiner Gewölbe, die höher sind als diejenigen des Hauptschiffs, und seiner Dekoration zeugt der Chor von der Pracht des 17. Jahrhunderts in Frankreich. Rundherum ist er mit Holztäfelungen im Louis-quatorze-Stil, Werken von François Molet, versehen. Die 80 Chorstühle der Mönche sind von einer überraschenden Reichhaltigkeit und weisen eine große Vielfalt an Verzierungen auf. Sie sind das Werk von Pierre Rouby und Jean Cimar. Die Künstler haben sogar die Miserikordien (an den Sitzen im Chorgestühl angebrachte Vorsprünge, die es ermöglichten, sich leicht zu setzen, ohne scheinbar die aufrechte Haltung aufzugeben) reichlich mit Schnitzereien versehen. Die Ecken des runden Platzes werden durch zwei modellierte Karyatiden zur Geltung gebracht, die die Enden von Blumengirlanden halten, welche im Dreieck über ihrem Kopf aufgehängt sind.

Die „Ohnmacht Mariens“ („Pâmoison de la Vierge“, auch „La Vierge défaillante“), ein Werk von LIGIER RICHIER aus Nussbaumholz, stellt die Jungfrau Maria dar, die von dem Apostel Johannes nach der Verkündigung des Todes Christi gestützt wird.

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